99'er - Triumph Tiger

 

Die Tiger von Triumph verwöhnt mit samtpfotenartigem
Fahrwerk und kuschelig- kultiviertem Triple.
 
Bereits für 1999 stellte Triumph die neue Tiger vor. Gegenüber der alten Raubkatze erhielt die Engländerin einen neuen Brückenrahmen aus Stahl, Einspritzanlage, geregelten Katalysator und einen überarbeiteten Dreizylinder-Reihenmotor. Dieser moderne, mit viel Know-How aufgebaute Triple mit zeitgemäßem Abgassystem und einem gut schaltbaren Getriebe mit kurzen Schaltwegen, bereitet auf kurvenreichen Landstraßen viel Spaß.
 
Das Triebwerk stammt noch von der ersten Dreier-Generation à la Trident ab, wurde aber gegenüber der Tiger-Erstversion mittels anderer Nockenwellen, Benzineinspritzung und angepasstem Zündkennfeld nochmals optimiert. Bereits ab 1500/ min lässt sich das Gas aufreissen, ab dann legt der Motor hinauf bis zur Nenndrehzahl kontinuierlich zu. Die Triumph geht gegenüber der direkten Konkurrenz drehzahlmässig etwas später zur Sache, was das eng gestufte Getriebe aber wettmacht. Was den Sound angeht, da hat der Triple im Laufe seiner (Tiger-) Evolution etwas an Charakter eingebüßt. Der niedrigste Verbrauch liegt bei 5,3 Litern, auf schnellen Autobahnetappen können aber auch 8,6 Liter daraus werden.
 

Völlig unproblematisch ist das Fahrverhalten der britischen Reise-Enduro. Obwohl selbst bei niedriger Sitzbankeinstellung immer noch recht hoch, entpuppt sich Triumphs Tiger - einmal in Fahrt - als absolute Mietzekatze. Selbst in schnell aufeinander folgenden Kurvenkombinationen glänzt die vollgetankt immerhin 245 Kilogramm wiegende Maschine mit federleichtem Handling und höchstem Federungskomfort. Mitverantwortlich fürs tolle Fahrverhalten und das sichere Fahrfeeling ist die weit nach vorn orientierte Sitzposition, die reichlich Gewicht aufs Vorderrad verlagert und damit viel Gefühl für den Frontpneu vermittelt. Möglich wird dies durch das vergleichsweise kurz ausfallende, dafür hohe Tankbehältnis.
 

Die von der Thunderbird Sport stammende Bremseinheit erledigt ihre Aufgabe vorzüglich. Lediglich bei starken Bremsmanövern taucht die mit üppigen 230 Millimetern Federweg ausgestattete Telegabel vorn stark ein, was die ansonsten hohe Zielgenauigkeit des Fahrwerks vor allem beim Einlenken in Kurven leicht verwässert. Auf Schotter noch mit akzeptablem Federungskomfort und gutem Grip versehen, läuft die Britin in rutschigem Gelände schnell ins offene Messer.
 

Außerdem ist der Triple gerade hier, wo es auf ordentlichen Drehmoment bei niedrigen und mittleren Drehzahlen sowie ausreichende Schwungmasse ankommt, eindeutig im Nachteil. Also so schnell wie möglich wieder zurück auf trockene Feldwege und Schotterstrecken oder gar aufs Asphaltband. Denn dort gehört eine Reise-Enduro nun mal viel eher hin und macht Spaß. In punkto Reisequalitäten fallen die runden Übergänge zu den Sitzbankseitenflächen, die gute, ausreichend straffe und dennoch komfortable Polsterung und der angenehme Kniewinkel ins Auge. Das Sitzpolster ist wegen des höheneinstellbaren Fahrerplatzes geteilt, was den Passagierkontakt etwas trübt. Der hintere, zu den Seiten hin abgerundete Teil der Sitzbank läuft aber ausreichend lang aus und lässt immer noch genügend Freiraum zur anschließenden Gepäckbrücke. Bereits im Originalzustand glänzt die Tiger mit Reise-Accessoires wie 24-Liter-Tank, Cockpitschale mit Tourenscheibe, komplettes Cockpit, Gepäckbrücke, Krümmerschutz (wenn auch zu klein) und wartungsfreundliche Exzenterschwinge. Was fehlt, ist ein Hauptständer, den es wie Tankrucksack und Koffer-/ Topcasesystem im reichhaltigen Zubehörprogramm von Triumph gibt.
 

Fazit: Triumph hat mit der aktuellen Tiger eine Reise-Enduro auf die Räder gestellt, die der etablierten Konkurrenz à la GS und Varadero mächtig Druck macht. Die Eckpfeiler der Tiger sind dabei ein gutes Fahrwerk und ein kultivierter Motor.

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